Berufsbildung

Nahtstellenbarometer 2026: Was KMU als Lehrbetriebe wissen sollten

ERUNNA SA ·

Gemäss dem Nahtstellenbarometer 2026 waren bis August 88 Prozent der rund 86'000 angebotenen Lehrstellen besetzt. Die Medienmitteilung vom 29.10.2026 bringt keine neuen Vorschriften oder Pflichten, liefert aber nützliche Daten für KMU, die Lernende ausbilden oder dies planen.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

Das Nahtstellenbarometer wird von gfs.bern im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) erstellt. Von den über 91'000 Jugendlichen, die im Sommer 2026 die obligatorische Schule abgeschlossen haben, begannen 49 Prozent eine berufliche Grundbildung und 34 Prozent einen allgemeinbildenden Bildungsweg. Weitere 17 Prozent entschieden sich für eine Zwischenlösung (10 Prozent Brückenangebot, 7 Prozent Zwischenjahr). Gegenüber dem Vorjahr blieben die Anteile weitgehend stabil.

Die Unternehmen boten rund 86'000 Lehrstellen an. Bis August 2026 konnten über 75'000 besetzt werden, die Besetzungsquote liegt mit 88 Prozent nahe bei den Vorjahreswerten. Der grösste Teil der Lehrstellen führt zu einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ, 93 Prozent), sieben Prozent zu einem eidgenössischen Berufsattest (EBA).

Warum Lehrstellen offen bleiben

Als häufigste Gründe nennen die befragten Unternehmen ausbleibende oder ungeeignete Bewerbungen, etwa wegen ungenügender schulischer Leistungen, sprachlicher Defizite oder unklarer Motivation.

Zu beachten ist: Das Barometer erfasst Jugendliche am Ende der obligatorischen Schulzeit, nicht aber alle Personen, die später eine Lehre beginnen. Laut den befragten Unternehmen sind 41 Prozent der Personen, die 2026 eine Lehre beginnen, bereits über 16 Jahre alt. Die Ergebnisse bilden also nur einen Teil des Lehrstellenmarkts ab.

Was Jugendliche wünschen und wie Betriebe ausbilden

Die meisten Jugendlichen, die eine Lehre begonnen haben, fühlen sich gut informiert: 28 Prozent sehr gut, 60 Prozent eher gut, 10 Prozent eher oder sehr schlecht. Zwei Drittel kannten ihre Berufsbildnerin oder ihren Berufsbildner bereits, 57 Prozent hatten den Betrieb besucht und 55 Prozent Informationen zum ersten Arbeitstag erhalten. Rund die Hälfte hatte an einem Schnupper- oder Einführungstag teilgenommen.

Zusätzliche Informationen wünschen sich die Jugendlichen dennoch:

  • zum Lernen und zur Zeitplanung (rund ein Viertel der Befragten);
  • zu den Anforderungen der Berufsfachschule (23 Prozent);
  • zum Umgang mit Unsicherheit, Druck und Stress (23 Prozent);
  • zu finanziellen Fragen und Belastungen im privaten oder familiären Umfeld (ein Teil der Jugendlichen).
  • Auf Betriebsseite setzen die Unternehmen zur Unterstützung der Berufsbildnerinnen und Berufsbildner vor allem auf internen Austausch (64 Prozent), dazu kommen Weiterbildungen (37 Prozent) und firmenexterner Austausch (21 Prozent). 23 Prozent der Unternehmen verfügen über ein definiertes Zeitbudget; wo die Betreuungszeit ausdrücklich festgelegt ist, sind es durchschnittlich 4.4 Stunden pro lernende Person und Woche. Als grösste Herausforderungen gelten das Geben von Feedback und damit verbundene Ausbildungsaufgaben (41 Prozent) sowie der Umgang mit persönlichen Problemen der Jugendlichen (38 Pr

Was ein KMU daraus ableiten kann

Die Daten verpflichten zu nichts, lassen aber einige Punkte zur Prüfung zu. Was sinnvoll ist, hängt von Branche, Betriebsgrösse und Kanton ab.

  • Lehrstellen frühzeitig ausschreiben und Schnupper- oder Einführungstage anbieten: Solche Kontakte haben viele Jugendliche vor dem Lehrstart bereits gehabt.
  • Anforderungen an Sprache und schulische Leistungen im Auswahlprozess klar kommunizieren, um unpassende Bewerbungen zu vermeiden.
  • Vor dem Start informieren: erster Arbeitstag, Vorstellung der Berufsbildnerin oder des Berufsbildners, Anforderungen der Berufsfachschule.
  • Prüfen, ob Berufsbildnerinnen und Berufsbildner ein Zeitbudget sowie Austausch- oder Weiterbildungsmöglichkeiten haben, insbesondere zum Thema Feedback.
  • Nicht nur Jugendliche direkt nach der obligatorischen Schule im Blick haben: Ein bedeutender Anteil startet später.
  • Bei konkreten Fragen das kantonale Berufsbildungsamt kontaktieren.

Worauf man achten sollte

Der detaillierte Ergebnisbericht soll im Dezember 2026 auf der Website des SBFI erscheinen. Die Zahlen beruhen auf den Antworten von 2'003 Jugendlichen und 3'808 Unternehmen mit mindestens zwei Angestellten. Für konkrete Entscheide empfiehlt sich der Blick in den vollständigen Bericht und die Rücksprache mit dem kantonalen Berufsbildungsamt.

Häufige Fragen

Bringt das Nahtstellenbarometer neue Pflichten für Lehrbetriebe?

Nein. Die Medienmitteilung vom 29.10.2026 stellt Umfrageergebnisse vor und erwähnt weder Gesetzesänderungen noch neue Pflichten für Lehrbetriebe.

Wie viele Lehrstellen waren im August 2026 noch offen?

Von rund 86'000 angebotenen Lehrstellen waren bis August 2026 über 75'000 (88 Prozent) besetzt. Die Quote liegt nahe bei den Vorjahreswerten.

Wann erscheint der detaillierte Ergebnisbericht?

Laut Medienmitteilung wird er im Dezember 2026 auf der Website des SBFI veröffentlicht.

Quelle: Medienmitteilung des Bundes – Berufseinstieg 2026: Jugendliche sind gut vorbereitet, Lehrbetriebe halten Angebot konstant